Swisscarp Kombifischen 2011
Samstag der 18. Juni 2011, früh Morgens. Ich stehe auf und gucke aus dem Fenster. Es regnet in Strömen. Zurück ins Bett kriechen und weiter pennen? Weit gefehlt! Heute ist das erste Swisscarp Kombifischen am Heidsee in der Lenzerheide angesagt. Am ersten Tag und während der Nacht geht es den Karpfen und am nächsten Tag den Salmoniden an die Schuppen. Klar, das Wetter ist voll daneben, aber daran kann man halt nix ändern. Also Regenjacke in den Rucksack stopfen und gut ist. Zudem redete ich mir ständig ein, dass die Wettervorhersage in den letzten Wochen immer wieder mal Regengüsse vorausgesagt hat und es schlussendlich dennoch ganz angenehm wurde. Doch für dieses Wochenende sollten die leider mal recht behalten.
Ich treffe mich noch kurz mit Benno, da ich für ihn die Rutentasche transportieren werde. Im Gepäck habe ich dieses Mal eine Karpfenrute und zudem ein sensibles Spinnrütchen. Noch kurz tanken und etwas Proviant für unterwegs gekauft und ab die Post in Richtung Bündnerland.
Während der Fahrt fing es immer heftiger an zu regnen. Ich telefonierte mit Eric und er bestätigte, dass es oben nicht anders aussieht. Da ich jedoch vergessen habe, eine Regenhose einzupacken, ging ich bei Chur noch kurz ab der Autobahn um mir eine zu besorgen. Mit etwas Verspätung kam ich dann aber auch noch beim Parkplatz der Rothornbahn am Ufer des Heidsees an.
Etwas zum Gewässer: Der ca 30 Hektaren grosse Heidsee liegt auf gut 1500 Meter über Meer und ist bis zu 4 Meter tief. Das Gewässer besteht aus zwei Seen, dem grossen und dem kleinen Heidsee, welche durch einen Damm getrennt sind. Der grosse See hat mehrere kleine Inseln und auch ein Naturschutzgebiet. Am Ufer entlang führt ein Spazierweg, wodurch er fast rundherum gut zu befischen ist. Er beherbergt Bach- und Regenbogenforellen, Saiblinge, Schleien, Karauschen, Elritzen und eben auch Karpfen bis 12.6 Kilo! Nachtangeln ist offiziell verboten. Da wir jedoch den Sheriff vor Ort, Beat Kilgus, Aufseher am Heidsee, auf unserer Seite haben, haben wir als Verein die exklusive Möglichkeit erhalten, über Nacht dort oben zu fischen. Das mit dem Zelten wurde vorgängig auch mit der Gemeinde und der Polizei geklärt. Wir konnten unsere Session also guten Gewissens starten, ohne dass wir uns als Verbrecher fühlen mussten.
Die Jungs vor Ort, Beat Kilgus, Jürgen Klopfenstein und Eric Mischol, haben das wohl beste Plätzchen für diesen Anlass reserviert. Eine Waldlichtung mit einer kleinen Landzunge, inklusive Grill und mehreren Tischen mit Sitzbänken. Von den linken und mittleren Angelplätzen konnte man ins Freiwasser und rechts von der Landzunge in eine Bucht mit Flachwasser fischen. Im Heidsee gibt es ausgedehnte Krautfelder. Zwischendurch sieht man aber insbesondere im Flachwasser immer wieder freie Flecken hell unter der Wasseroberfläche leuchten. Genau diese Spots gilt es anzuwerfen. Unsere Plätze wurden die Tage zuvor regelmässig und grossflächig mit Partikeln, Pellets und Boilies angefüttert. Einem erfolgreichen Ansitz sollte also nichts mehr im Wege stehen.
Nach einem kurzen Briefing durch Eric ging es mit dem Hochgebirgs Carpfishing los. Es ging darum, Fischlängen in Zentimeter zu sammeln. Wer am Schluss die meisten Zentimeter gefangen hat, wird zum Champion gekührt. Allerdings gelten am ersten Tag nur Karpfen und am zweiten Tag die Salmoniden. Als Preis gibt es einen silbernen Metallkarpfen zu gewinnen. Dabei handelt es sich um einen Wanderpreis, denn in Zukunft wird das Kombifischen als jährlich wiederkehr-ender Anlass ins Vereinsprogram aufgenommen. Ein Klassiker ist somit geboren und eine handvoll Swisscarp-Mitglieder durften diesen historischen Moment miterleben.
Die Ruten wurden vorbereitet, Plätze befüttert und angeworfen, während es immer noch in Strömen regnete.
Als kurz vor Mittag alle ihre Fallen ausgelegt hatten gab es die erste Verpflegung des Tages. Weisswürste vom örtlichen Metzger gekocht in einem grossen Topf mit Seewasser auf dem Grill. Dazu frisches Brot und süssen Senf. Da kamen bei unseren deutschen Kollegen Dennis Stephan und seinem Vater Achim wohl Heimatgefühle auf ;)
Nach dem leckeren Snack spürte ich langsam die Müdigkeit in mir aufschleichen. Die Bergluft mit diesen tiefen Temperaturen und der Regen setztem meinem Bürolisten-Gemüt langsam zu. Also verkroch ich mich ins Zelt von Eric. Er war so gütig und hat mir für diesen Anlass Asyl geboten. In seinem Zelt fühlte ich mich wie zu Hause. In dieser Hütte könnte man einen Smart parkieren, so grosszügig ist das Zelt geschnitten. Wirklich ein super Teil. Dazu noch die Heizung, die Kleider trocknen liess und als ich die Augen schloss und es im Schlafsack immer wärmer wurde, fiel ich ins Land der Träume.
Weit entfernt hörte ich irgendwann mal einen Bissanzeiger piepen. Es war der erste Karpfen der Session, gefangen von Beat. Mit ca 65cm ein schöner Auftakt.
Da waren wir nun gespannt, was das sonst noch kommen wird. Etwa 1 Stunde später kam dann der zweite Lauf, diesmal bei Benno, welcher einen kurzen Drill später ein schönes Exemplar mit 40cm auf die Matte legen konnte.
Am späteren Nachmittag hörte es dann mal ein wenig auf zu regnen. Frisch erholt kroch ich aus dem Schlafsack und holte die Rute zur Kontrolle ein. Alles noch dran, aber von Karpfen weit und breit keine Spur auf meinem Platz. Ich entschied mich, erste Versuche mit der Spinnrute zu wagen. Beat lieh mir hierfür einen Mozzi-Blinker und ich ging auf den benachbarten Angelplatz ca 30 Meter links von uns. Schon beim ersten Wurf verzeichnete ich einen Biss! Zudem schwammen mir regelmässig Forellen nach bis vor die Füsse, um dann wieder abzudrehen. Ein paar wenige Würfe später aber der erste Fisch! Ein schöner Portionsregenbögler mit etwa 32 cm. Innert kürzester Zeit konnte ich noch eine Regenbogenforelle landen. Diese zählen heute leider noch nicht in die Fangstatistik. Ich freute mich trotzdem darüber, denn endlich würde es zu Hause mal wieder fangfrischen Fisch am Sonntag Abend zu Essen geben.
Doch nun wurde es langsam Zeit für den Znacht. Unser Chefkoch hat wieder keine Mühe gescheut und feines Gemüse vom Grill gezaubert, bestehend aus Kartoffeln, Peperoni und Zucchetti. Dazu gab es wieder Würste und als spezielles Schmankerl Spareribs vom Grill.
Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen haben, ging es aber wieder ums Fischen. Da es noch hell war und immer noch nicht regnete, nutzte ich die Gunst der Stunde, um es wieder auf Forellen zu probieren. Ich ging also wieder an den Forellen Hot Spot und schon nach dem ersten Wurf drillte ich meine dritte Forelle. Benno kam diesmal mit, denn er wurde auch giggerig auf die Salmoniden. Irgendwann kamen wir mal noch mit über, dass wieder ein Karpfen gefangen wurde, diesmal von Andreas Meier. Innert Kürze hatte ich dann meine vierte Forelle an Land, das pro Tag erlaubte Maximum war somit erreicht. Entspannt ging ich zurück zu den Andern und machte meine Karpfenfalle für die Nacht bereit. Und es begann wieder zu regnen.
Als es dunkel war sassen wir im grossen geheizten Zelt zusammen und plauderten ein wenig. Da bekamen wir noch hohen Überraschungsbesuch von Sasa Prvujkic von carpstar.ch. Gegen halb Elf Abends verkroch ich mich dann wieder in den warmen Schlafsack. Ich war gespannt, was diese Nacht so kommen würde, denn wir waren die Ersten, die es überhaupt jemals über Nacht auf Karpfen an diesem See probieren. Der Regen prasselte aufs Zelt und ich schlief schnell ein.
Die Nacht blieb ruhig. Ein paar Tuuter, aber niemand fing etwas. Der erste Karpfen des zweiten Tages konnte Benno morgens um 6 Uhr verzeichnen. Ich bekam dies am Rande mitüber und schlief weiter. Gegen 8 Uhr konnte auch ich mich endlich zum Aufstehen bewegen. Inzwischen waren frische Gipfeli serviert und das Kaffewasser kochte auch bereits auf dem Grill. Zudem regnete es nicht mehr und sogar die Sonne zeigte sich.
Als ich langsam wach wurde, bekam ich wieder Lust auf Salmoniden. Also Karpfenrute einholen und Spinnrute bereit machen. Diesmal lief ich auf die andere Seite der flachen Bucht und schon wenige Würfe später hatte ich die erste Bachforelle im Kescher. Etwas später folgte dann ein 36er Regenbögler und ich ging zurück zu unserem Base Camp. Während ich die Fische putzte, stand Achim neben mir und griff zur Spinnrute. Erster Wurf – Biss!! Es war ziemlich schnell klar, dass es diesmal etwas Grösseres war. Kurze Zeit später lag dann ein wunderschöner Saibling mit 51 Zentimeter an Land. Der grösste Salmonide der Session, ein wirklich super schöner Fisch. Gratulation!!
Inzwischen brutzelten wieder Würste auf dem Grill, diesmal Bärlauch-Bratwürste. Einfach nur lecker! Also wegen dem Essen können wir uns wirklich nicht beklagen. Da haben die Jungs alles gegeben, aber wir sind uns ja nichts Anders gewohnt von unseren Bündner Kollegen.
Das Wetter hat sich ein wenig gebessert, zumindest regnete es nicht mehr. Kalt war es trotzdem und es ging ein bissiger Wind. Auch waren die Fische nicht mehr so in Beisslaune. Es brauchte viele Würfe, bis zu meiner dritten Forelle des Tages. Andreas, Achim und Benno probierten es auch ziemlich intensiv, leider lief aber bis auf eine Forelle von Benno nicht mehr viel. Als ich dann noch einen Fisch während dem Drill verlor, ging ich zurück zum Camp und gegen Mittag herrschte Aufbruchstimmung. Während dem Zusammenpacken setzte ich noch den Zapfen mit Wurm raus. Etwa 15 Minuten später begann der Zapfen zu wandern bevor er dann schräg abtauchte. Nach einem kurzen Drill hatte ich dann eine Karausche mit ca 25 Zentimetern im Netz. Haken weg und zurück in die Freiheit mit dem Fisch.
Das erste Swisscarp Kombifischen neigte sich langsam dem Ende zu. And the winner is…Benno Gebert! Mit 118 gefangenen Fisch-Zentimetern ist er der Sieger des ersten Swisscarp Kombifischen. Gratulation! Auf dem zweiten Platz mit 106cm folgt Raimi und dann Beat mit 65cm. Auf die Länge kommts an ;)
Es war ein super toller Anlass, auch wenn das Wetter nicht ganz auf unserer Seite war. Nächstes Jahr wird der Anlass wieder stattfinden und wir hoffen dann auf ein paar mehr Leute. Dieses Mal waren wir 10 Leute. Mit 15 wäre der Anlass dann voll gebucht, wären es mehr, hätten wir ein Platzproblem. Nächstes Jahr gilt dann halt wie immer: De schnäller isch de gschwinder!
Zum Schluss möchte ich mich bei den Mannen vor Ort, Eric Mischol, Beat Kilgus und Jürgen Klopfenstein sehr für die Organisation und Ermöglichung dieses schon heute legendären Anlasses bedanken. Alles war super durchorganisiert und trotz des Wetters herrschte allzeit gute Stimmung. Ich freue mich schon auf die zweite Ausgabe des Swisscarp Kombifischen im Jahr 2012!
Euer Präsi
Raimi Suter








